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Business Central 6. Juli 2026 · 10 Min.

„Continia ist nicht mehr gut" – stimmt das? Ein technischer Vergleich mit 365 business Banking

Ein Systempartner rät von Continia ab und empfiehlt 365 business Banking. Wir haben beide Business-Central-Banking-Lösungen technisch untersucht – Bankanbindung, Funktionsumfang und Kosten im faktenbasierten Vergleich.

Neulich in einem Kundengespräch fiel ein Satz, der uns aufhorchen ließ: „Continia ist nicht mehr gut.” Empfohlen wurde stattdessen eine jüngere Alternative: 365 business Banking von 365 business development.

Solche Pauschalaussagen nehmen wir ernst – aber wir glauben sie nicht ungeprüft. Als Continia-Partner haben wir ein Eigeninteresse, das legen wir offen. Gerade deshalb haben wir beide Produkte so untersucht, wie wir es auch für ein Kundenprojekt tun würden: mit einem technischen Review statt Marketingfolien.

Was wir untersucht haben

Wir haben beide Produkte anhand der vollständigen Herstellerdokumentation, der öffentlichen Preislisten und unserer Projekterfahrung als Business-Central-Partner verglichen – Continia Banking in der aktuellen Version (2026 R1) und 365 business Banking (18.2).

Ein wichtiger methodischer Hinweis vorweg: Die Dokumentationstiefe der beiden Hersteller ist sehr unterschiedlich. Continia dokumentiert seine Lösung bis ins Detail und liefert Partnern sogar den Quellcode mit – die Lösung ist damit auditierbar. Bei 365 business Banking ist die Dokumentation schlanker und die App nur als verschlüsseltes Paket verfügbar. „Nicht dokumentiert” heißt im Folgenden also: in den Docs nicht auffindbar – nicht zwingend „nicht vorhanden”.

Was an der Kritik dran ist

Die pauschale Abratung halten die Fakten nicht aus – aber sie hat einen berechtigten Kern. Vier Punkte könnten gemeint sein:

  1. Produktumbruch: Das klassische Continia Payment Management ist abgekündigt (Verkaufsstopp Oktober 2025, Support läuft Richtung April 2027 aus). Bestandskunden müssen auf das Nachfolgeprodukt Continia Banking migrieren. Wer „Continia” mit dem Alt-Produkt gleichsetzt, hat also recht – das aktiv weiterentwickelte Nachfolgeprodukt ist davon aber nicht betroffen.
  2. Kein nativer EBICS-/FinTS-Client in BC: Für die vollautomatische Direktanbindung an deutsche Banken setzt Continia auf einen Aggregator – primär konfipay (EBICS), alternativ BANKSapi –, also einen zweiten Vertragspartner plus Modulkosten. Das ist aber kein Zwang: Jede gelistete Bank unterstützt auch die manuelle Kommunikation über Standarddateien. Continia erzeugt die pain.001/pain.008, den Transport übernimmt Ihr vorhandenes Banking-Programm (SFIRM, ProfiCash o. Ä.) oder das Bankportal, camt.053-Auszüge werden zurückimportiert – ohne Aggregator, ohne zweiten Vertrag. Der Vorwurf greift also nur für den Komfort-Fall der Vollautomatik.
  3. Alles läuft über Continias Cloud: Selbst die Erzeugung und das Parsing der Bankdateien (pain, camt) laufen serverseitig über Continia Online – ein reiner Offline-Betrieb ist auch On-Premises nicht vorgesehen. (Dass Banking auf BC SaaS überhaupt eine Cloud-Komponente braucht, ist allerdings normal – dazu weiter unten mehr.)
  4. Kosten: Kauflizenzen wurden zum Jahreswechsel abgekündigt, und Partner berichten von Preisanpassungen 2026. Wer die Direktanbindung nutzt, hat mit konfipay einen zweiten Kostenblock – bei manueller Dateianbindung entfällt der. Die Listenpreise selbst sind öffentlich: Continia publiziert transaktionsbasierte Preisblätter (Business Central Online, Stand Januar 2026: Essential-Modul ab 12 €/Monat bei bis zu 25 Transaktionen).

Das sind reale Reibungspunkte. Nur: Sie machen aus einem technisch reifen Produkt kein schlechtes.

Was Continia Banking tatsächlich kann

Continia Banking ist ein Produkt in Enterprise-Größenordnung mit einem Reifegrad, den man im BC-Ökosystem selten sieht:

  • Kontoauszugsabgleich: eine vielstufige, deterministische Matching-Logik (Belegnummern, End-to-End-IDs, strukturierte Zahlungsreferenzen, Erkennung über IBAN/Name), ergänzt um konfigurierbare Regeltypen inklusive Sachkonto-Direktbuchung und ein Copilot-Feature für KI-generierte Matching-Regeln.
  • Zahlungsausgang: Zahlungsvorschläge mit Skonto-Toleranzen, Sammlern und Templates, Statusrückmeldungen der Bank (pain.002) bis auf Transaktionsebene, Export-Rollback und Job-Queue-Automatisierung. Echtzeitüberweisungen werden unterstützt – die Verfügbarkeit hängt vom jeweiligen Bankweg ab.
  • Freigabe & Sicherheit: volle Integration in die BC-Workflow-Engine mit Betragslimits und 4-Augen-Prinzip, dazu eine Empfänger-Bankkonto-Verifikation mit Änderungsüberwachung – Zahlungen an unverifizierte Konten werden blockiert.
  • DACH-Spezifika: SEPA-Mandatsverwaltung mit automatischer Sequenzsteuerung, Zahlungsavise per E-Mail, AWV-/Z4-Meldewesen an die Bundesbank.
  • Flexible Bankanbindung: über 100 deutsche Banken sind gelistet – wahlweise als automatisierte Direktanbindung via Aggregator oder als manueller Dateiaustausch (pain/camt) über die vorhandene Banking-Software. Das macht Continia deutlich breiter aufgestellt als eine reine API-Anbindung und lässt Bestand (z. B. SFIRM-Prozesse) weiterlaufen.
  • Erweiterbarkeit: zahlreiche dokumentierte Integration-Events, und der Quellcode wird an Partner mitgeliefert – für Partner-Entwicklung und Debugging ein echter Unterschied.

Schwächen gibt es auch: kein VEU (die verteilte elektronische Unterschrift findet außerhalb von BC beim Aggregator bzw. im Bankportal statt) und keine Pre-Notification bei Lastschriften. Perfekt ist hier niemand.

Der Herausforderer: 365 business Banking

365 business Banking geht einen bewusst anderen Weg – und macht einiges richtig:

  • Eine einzige schlanke App statt einer Suite, unterstützt bis hinunter zu BC 18 (2021 Wave 1). Continia veröffentlicht zwar je BC-Hauptversion eigene Builds, unterstützt mit Continia Banking aktuell aber nur BC 26 aufwärts – für ältere Bestandsinstallationen reicht 365bd deutlich weiter zurück.
  • Bankanbindung komplett über finAPI (BaFin-lizenziert, rund 4.500 Banken): PSD2/XS2A plus FinTS – und der Aggregator ist eingepreist. Kein zweiter Vertrag, kein separates Onboarding.
  • Transparente, nutzungsbasierte Preise ab 7,90 € pro User und Monat, öffentlich einsehbar. Kontoabrufe und Zahlungseingänge sind kostenfrei.
  • Integrierte Verification of Payee (VoP) – angesichts der EU-VoP-Pflicht ein aktuelles, echtes Plus: Eine vergleichbare VoP-Integration konnten wir bei Continia weder in der Dokumentation noch in der offiziellen Roadmap finden; dort setzt man stattdessen auf die eigene Empfänger-Konto-Verifikation. Echtzeitüberweisungen beherrschen dagegen beide.
  • Automatischer Kontoabgleich mit Regelwerk: baut auf dem BC-Standard-Zahlungsabstimmungsjournal auf und erweitert ihn – IBAN-basierte Absendererkennung, Belegnummern-Matching (auch partiell bei Sammelzahlungen), gewichtete Kontext-Wörter sowie konfigurierbare Abstimmungsregeln mit Textmustern, ZKA-/SEPA-Purpose-Codes und Sachkonto-Zuordnung inklusive Dimensionen; dazu Job-Queue-Automatisierung und Teilbuchung des Journals.

Dem stehen deutliche Einschränkungen gegenüber:

  • Sehr junges Produkt: AppSource-Launch im September 2025 – ein Track-Record fehlt naturgemäß.
  • Kein EBICS: Damit sind EBICS-typische Firmenkunden-Funktionen wie VEU konzeptionell ausgeschlossen. Für gehobenen Firmenkunden-Zahlungsverkehr ist EBICS in Deutschland aber der etablierte Standard. Als Fallback für schwierige Banken dokumentiert der Hersteller Web-Scraping – für uns ein Warnsignal in Sachen Robustheit.
  • Funktionsverfügbarkeit hängt an der Bank: Was die PSD2-Schnittstelle der Hausbank nicht hergibt (etwa Sammelzahlungen), kann auch die App nicht anbieten. Das muss man je Bank vorab prüfen.
  • Einiges ist nicht dokumentiert: Zahlungsavise, Nicht-SEPA-Auslandszahlungen, AWV/Z4, Zahlungsfreigabe-Workflows mit Betragslimits, Entwickler-Events – all das konnten wir in den Docs nicht finden.

Der direkte Vergleich

KriteriumContinia Banking365 business Banking
ProduktreifeHoch, Nachfolger eines langjährigen ProduktsSehr jung (Launch 09/2025)
Bankanbindung DACHDirekt via Aggregator (konfipay/BANKSapi) oder manuell per Datei über eigene Banking-Software (SFIRM o. Ä.)finAPI (PSD2, FinTS), eingepreist
EBICSIndirekt (via Aggregator oder eigene EBICS-Software)Nein
VEUNein (außerhalb von BC)Nein (konzeptbedingt)
Echtzeitüberweisung / VoPJa (je nach Bankweg) / Nein, eigene Konto-VerifikationJa / Ja, integriert
Matching & RegelnVielstufiges Matching, konfigurierbare Regeln, CopilotIBAN-/Belegnummern-Matching, Kontext-Wörter, Abstimmungsregeln
Freigabe-WorkflowsBC-Workflows, Limits, Konto-VerifikationNicht vergleichbar dokumentiert
Auslandszahlungen / AWVJa, inkl. Z4-MeldewesenNicht dokumentiert
Cloud-AbhängigkeitHart (Continia Online)Hart (365-API + finAPI)
Transparenz für PartnerQuellcode für Partner verfügbarVerschlüsseltes Paket
PreiseÖffentliche Preisblätter, transaktionsbasiert ab 12 €/Monat (+ konfipay nur bei Direktanbindung)Öffentlich, ab 7,90 €/User/Monat

Warum beide „in der Cloud hängen” – und warum das kein Vorwurf ist

Ein Punkt verdient eine tiefere Einordnung, weil er gern als Killerargument gegen das eine oder andere Produkt benutzt wird: die Cloud-Abhängigkeit. Tatsächlich ist sie bei Business-Central-Banking keine Design-Schwäche, sondern eine Plattform-Notwendigkeit.

Der Grund liegt in AL, der Programmiersprache von Business Central. Der eigentliche Bankverkehr – die EBICS-Krypto mit Schlüsselverwaltung, Verschlüsselung und vor allem der kanonisierten XML-Signatur (C14N) – lässt sich in AL im Cloud-Betrieb nicht sinnvoll abbilden. Der einzige Ausweg, der das technisch könnte (.NET-Interop), funktioniert ausschließlich On-Premises, nie in der SaaS-Cloud.

Die Konsequenz: Jede ernstzunehmende Banking-Lösung auf BC SaaS muss das Protokoll außerhalb von AL ausführen und aus Business Central heraus aufrufen. Genau das tun beide – nur unterschiedlich:

  • Continia erzeugt und parst die Bankdateien serverseitig in seiner eigenen Cloud (Continia Online) und ruft sie aus BC auf.
  • 365 business Banking schaltet mit finAPI einen externen Dienstleister vor, der das Protokoll übernimmt.

„Läuft in der Cloud” taugt also nicht als Argument gegen eines der beiden Produkte – es gilt zwangsläufig für beide und für jede vergleichbare Lösung. Die richtige Frage ist nicht ob Cloud, sondern: wessen Cloud, welche Daten fließen dorthin, und was kostet es? Und da lohnt der genaue Blick – etwa, dass bei Continia auch im manuellen Modus die Dateierzeugung über deren Cloud läuft, während der reine Dateitransport in Ihrer Hand bleibt.

Unsere Einordnung: Es gibt keinen Sieger, es gibt Szenarien

365 business Banking passt, wenn der Zahlungsverkehr rein SEPA-orientiert ist, die Hausbanken solide PSD2- oder FinTS-Schnittstellen bieten, planbare Kosten und einfaches Setup zählen – und die Organisation mit einem jungen Produkt leben kann. Für viele kleinere Unternehmen ist das ein völlig valides Profil.

Continia Banking passt, wenn der Zahlungsverkehr komplex ist: tiefes regelbasiertes Matching, Freigabe-Workflows mit Limits, Avise, Mandatsautomatik, Auslandszahlungen inklusive Meldewesen – oder wenn EBICS-Firmenkunden-Anbindung gebraucht wird. Bei der Anbindung haben Sie die Wahl: manueller Dateiaustausch über die vorhandene Banking-Software (ohne Zusatzvertrag) oder die komfortablere, kostenpflichtige Direktanbindung via Aggregator.

Und wer noch auf einer älteren NAV-Version arbeitet: Dort ist keines der beiden Produkte einsetzbar – der Weg führt zuerst über das BC-Upgrade.

Bevor Sie entscheiden

Fünf Fragen tragen die Entscheidung – in dieser Reihenfolge:

  1. Was braucht Ihr Zahlungsverkehr wirklich? Reicht SEPA (plus ggf. GBP/CZK/RON), oder brauchen Sie EBICS-Firmenkunden-Anbindung, VEU-Freigaben, Nicht-SEPA-Auslandszahlungen und AWV/Z4-Meldewesen? Diese eine Antwort schließt eine der beiden Lösungen oft schon aus.
  2. Wie sollen Ihre Hausbanken angebunden werden? Je Bank prüfen: Genügt bei Continia der kostenfreie Dateiaustausch über Ihre vorhandene Software (SFIRM & Co.), oder wollen Sie die komfortable Direktanbindung – und was kostet dann der konfipay-Vertrag? Und liefert die PSD2-Schnittstelle bei 365bd für Ihre Bank alle nötigen Funktionen (Sammler, Daueraufträge)?
  3. Was kostet es über drei Jahre? Nicht der Einstiegspreis entscheidet, sondern die Kostenkurve bei Ihrem echten Transaktionsvolumen – inklusive Aggregator-Gebühren und Zusatzpaketen.
  4. Welche BC-Version ist Ihr Ziel? Continia Banking setzt aktuell BC 26+ voraus, 365bd reicht bis BC 18 zurück. Auf einer älteren NAV-/BC-Version ist die Version die Vorentscheidung – nicht das Produkt.
  5. Warum rät der Partner ab? Meint er das abgekündigte Payment Management? Die Preise? Eine konkrete Projekterfahrung? Oder ist er selbst Reseller der Alternative? Die Antwort trennt Sachargument von Eigeninteresse.

Pauschalurteile – in beide Richtungen – ersetzen keine Analyse. Wenn Sie vor genau dieser Entscheidung stehen, sprechen Sie uns an: Wir legen die Fakten auf den Tisch, inklusive unserer Partnerrolle.

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